Selen beim Pferd



Das Spurenelement Selen – defizitärer Baustein im Grundfutter

Geringe Selengehalte in den Böden und damit auch im Grundfutter sind die häufigste Ursache einer unzureichenden Selenversorgung beim Pferd. Die ausreichende Selenversorgung fördert den Muskelaufbau, stärkt das Immunsystem und ist essentiell für die Funktion der Schilddrüse. Neben Vitamin A, C und E sowie Zink ist Selen eines der wichtigsten Antioxidantien.

Funktion von Selen im Organismus
Als essentieller Baustein des Enzyms Glutathionperoxidase ist Selen für die Neutralisierung der Zellmembran schädigenden freien Radikale notwendig und ist neben Vitamin A, C und E sowie Zink eines der wichtigsten Antioxidantien mit bedeutender Funktion für die Immunabwehr. In der Schilddrüse wird Selen für die Umwandlung des Schilddrüsenhormons Thyroxin (T4) zu Trijodthyronin (T3) benötigt. Der Selenspiegel beeinflusst daher indirekt den Grundumsatz und die Zellaktivität (Zellteilung, Zellwachstum, Zelldifferenzierung).

Selenmangel: Ursachen und Mehrbedarf
Die Böden in Deutschland gelten generell als selenarm. In pflanzlichen Futtermitteln sind daher nur geringe Mengen an Selen enthalten. So liegt der Gehalt an Selen im Heu heute vielfach unterhalb der Nachweisgrenze (< 0,002 mg/kg TS) (Möllmann 2007). Selengehalte unterhalb 0,025 mg/kg TS führen mit großer Wahrscheinlichkeit zu gesundheitlichen Störungen (MEYER 2002). Es ist davon auszugehen, dass alle Pferde in Deutschland, deren tägliche Futterration ausschließlich aus Heu und Hafer besteht, nicht ausreichend mit Selen versorgt sind. Situationen veränderten Bedarfs führen zu Selenmangel, wenn der Bedarf nicht über das Futter abgedeckt wird.

Es wird zwischen physiologischen und pathologischen Mehrbedarfssituationen unterschieden:

Physiologische Mehrbedarfssituationen
  • selenarme Grundfutterration
  • Wachstum und Alter
  • Zuchtstuten im letzten Drittel der Trächtigkeit und früher Laktation
  • Hengste während des Deckeinsatzes
  • Stress (z.B. Stallwechsel, Transport)
  • hohe Leistungsbeanspruchung


Pathologische Mehrbedarfssituationen
  • bei nachgewiesenem Selenmangel
  • traumatische und metabolische Muskeldystrophien (Kreuzverschlag)
  • bei Erkrankungen, die mit einer katabolen Stoffwechsel verbunden sind: EMS, ECS, PSSM, neurodegenerative Muskelerkrankungen
  • Infektionen der Haut- und Atemwege
  • Tumorerkrankungen und Schilddrüsenunterfunktion
  • bei chronischen Erkrankungen (erhöhter oxidativer Stress): Selenmangel kann die Symptome chronischer Erkrankungen verstärken

Symptome
Verspannung der Muskulatur, meist in Verbindung mit Steifheit der Hinterhand und Rittigkeitsproblemen bis hin zu Bewegungsstörungen werden am häufigsten mit Selenmangel in Verbindung gebracht. Aber auch Kreuzverschlag-ähnliche Symptome nach anstrengender Arbeit, Infektanfälligkeit und Fruchtbarkeitsstörungen bei Stuten und Hengsten treten auf. Ebenso kommen Symptome eines verringerten Schilddrüsenstoffwechsels vor. Drastischer Selenmangel bei neugeborenen Fohlen ist mit einer hohen Sterblichkeitsrate aufgrund von Lähmungserscheinungen der Herz- und Schlundmuskulatur verbunden.

Diagnose
Die Gesamtkonzentration im Serum oder Plasma ist ein einigermaßen verlässlicher Indikator für den aktuellen Versorgungsstatus. Seit Kurzem wird auch die Enzymaktivität der Glutathionperoxidase (GPx) in Vollblut zur Ermittlung des Versorgungsstatus herangezogen. Die Bestimmung der GPx lässt Schlüsse auf eine längerfristige Versorgung zu.

Ausgleich eines Mangels – systematische Selensupplementierung
Selen kann in verschiedenen physiologisch wirksamen Verbindungen verabreicht werden. Entscheidend ist die Bioverfügbarkeit in den Zielorganen, die durch die Bindungsform beeinflussbar ist.
Organische Selenverbindungen, wie die Selenhefen, sorgen für eine optimale Bereitstellung im Stoffwechsel und in den Zielorganen. Außerdem können diese organischen Komplexbindungen vom Organismus besser resorbiert werden und sind viel verträglicher als anorganische Verbindungen. Da Selen eine sehr geringe therapeutische Breite besitzt, kann eine zu hohe Selen- Supplementierung zu Vergiftungserscheinungen führen. Deshalb müssen vorgeschriebene Dosierungen unbedingt eingehalten werden!

Schwere Mängel müssen mit einer durchgehenden Supplementierung eines Selen-Monopräparates therapiert werden, die sich über Wochen und Monate erstrecken kann. Nach einer ca. 3-4 wöchigen durchgängigen Fütterung schließt sich die Intervallfütterung (5 Tage füttern, 5 Tage Pause, 5 Tage füttern) an.

Leichte Mängel ohne klinische Symptome sollten in der Intervallfütterung (5 Tage füttern, 5 Tage Pause, 5 Tage füttern) ausgeglichen werden, bei leichten Mängeln mit klinischer Ausprägung kann eine durchgehende Fütterung mit anschließender Intervallfütterung und angepasster Dosierung sinnvoll sein.


ZUSATZINFORMATIONEN

Selen ist ein Spurenelement mit relativ enger therapeutischer Breite. Das heißt, eine zu hohe Selengabe kann zu Vergiftungserscheinungen führen. Deshalb müssen vorgeschriebene Dosierungen unbedingt eingehalten werden!

NEU: In der St. Georg Ausgabe Januar 2018 greift Dr. Anja Müller (IDEXX Labor) zwei neue wissenschaftliche Studien zur Selenversorgung beim Pferd auf mit interessanten Fakten:
  • bei jedem 4. untersuchten Pferd wurde ein Selenmangel nachgewiesen – trotz der neuen, „nach unten“ angepassten Referenzwerte von 70-170 µg/l
  • Werte im toxischen Bereich wurden nicht gemessen, d.h. eine Überversorgung mit negativen Folgen ist außerordentlich selten und wird letztlich nur durch sehr grobe Fütterungsfehler erreicht ("20-fach höhere Dosierung")
  • erneut wird bestätigt: Selen wirkt sich positiv auf die Muskulatur (insbesondere bei Sportpferden), ein schwaches Immunsystem, Fruchtbarkeitsstörungen und Leistungsschwäche aus
  • interessant: die Verhaltensstörung des "Koppens" bei Pferden wird in Verbindung mit einem Selenmangel gebracht (> Studie)



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